Neunter Internationaler Kongress für Medizinische Pilze – was gibt es Neues aus der Mykomedizin?

von MykoTroph Team (Kommentare: 0)

v.l.n.r.: Dr. Nicoletta Salviato, Prof. Hai Ying-Bao, Dipl.-Ing. Franz Schmaus, Dr. Stefania Cazzavillan, Prof. Ulrike Lindequist, Dr. Dorothee Bös

Bild von links nach rechts: Dr. Nicoletta Salviato, Prof. Hai Ying-Bao, Dipl.-Ing. Franz Schmaus, Dr. Stefania Cazzavillan, Prof. Ulrike Lindequist, Dr. Dorothee Bös

Bereits zum 9. Mal trafen sich Wissenschaftler und Therapeuten aus aller Welt, um neueste Forschungsergebnisse zu medizinisch wirksamen Pilzen vorzustellen. Dieses Mal fand der Kongress in Italien statt. Natürlich waren wir von MykoTroph wieder dabei! Das Motto lautete "Advances in medicinal mushroom science: building bridges between eastern and western medicine". Besagter Brückenschlag zwischen dem alten Wissen der TCM und den mit Forschungsergebnissen belegten Wirkungen der Pilze gelingt gerade in der Mykotherapie perfekt. Man kann die Verwendung von Pilzen in der Naturheilkunde sogar bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen.

In den Begrüßungsvorträgen wurden besonders die vielfältigen Wirkungen der medizinischen Pilze betont, die Prof. Wasser mit über 200 bezifferte. Auch die Studienlage hat sich stark erhöht, wobei sich der Fokus zunehmend – neben den bekannteren Beta-Glucanen – auf die in den Pilzen enthaltenen kleineren Moleküle und deren medizinische Wirkungen richtete. Weitere Wirkmechanismen wurden aber auch für die Pilz-Beta-Glucane aufgeklärt: durch regelmäßigen Pilz- und damit Beta-Glucan-Konsum werden spezielle Gene aktiviert. Die Wissenschaftler entdeckten eine Stimulation:

  • der Gene für die Schwermetall-Ausleitung (Metallothioneine, z. B. Cadmium- und Bleientgiftung),

  • des Corin-Gens (Antikrebs-Mechanismen, Blutdrucksenkung, Natriumausscheidung)

  • und der Flavin-enthaltenden Monooxygenase (Entgiftung von Pestiziden, evtl. Fish-Odor-Syndrom = Trimethylaminurie).

Es ist natürlich hochspannend, wenn all die Effekte der Pilzeinnahme, die wir seit Jahren beobachten, auch wissenschaftlich gesichert werden.

Mit dem Thema Beta-Glucane und vor allem dem Beta-Glucangehalt hat sich ebenfalls ein Forscher aus New York sehr kritisch beschäftigt. Seine Analysen ergaben: Der sogenannte "Beta-Glucangehalt" in Pilzextrakten hat kaum Aussagekraft bezüglich der Immunwirkung der Pilze. Die bisher eingesetzten Verfahren zur Messung der Beta-Glucane sind stark anzuzweifeln. Eine andere Forscherin ergänzte, dass gerade in manchen asiatischen Produkten zum Teil mehr Getreidemehl/Getreide-Beta-Glucane als Pilzsubstanz zu finden sei und manchmal überhaupt keine Pilz-Beta-Glucane! Es müssen also neue Qualitätskriterien und Standards geschaffen werden.

Tiergesundheit

Ein zunehmendes Forschungsinteresse gilt auch der Tiergesundheit und der Antibiotikareduktion. Durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung sterben immer mehr Menschen an resistenten Keimen. Hier bieten Pilze mit ihren antiviralen, antibakteriellen und immununterstützenden Wirkungen interessante Möglichkeiten.

Sogar zur Rettung der Bienen, die zunehmend Milben und Viren und natürlich Pestiziden zum Opfer fallen, könnten Pilze langfristig beitragen. Darüber hat der berühmte Paul Stamets berichtet und das Forschungs-Projekt "BeefriendlyTM" ins Leben gerufen. Bienen besitzen im Vergleich zu anderen Insekten nur eingeschränkte Entgiftungsmöglichkeiten. Diese können durch Pilze gesteigert werden.

Pilze erhöhen die körpereigenen Entgiftungsmechanismen und können darüber hinaus direkt schädigende Substanzen angehen. So kann beispielsweise Coriolus-Myzel von allen getesteten Pilzen das Herbizid Paraquat am stärksten abbauen. Wichtig für einen solchen Abbau ist der Erhalt der hitzeempfindlichen Enzyme im Myzel. Die Bienengesundheit unterstützen manche Pilze speziell durch ihre Wirkung gegen die Varroa-Milben und Viren (z. B. Reishi).

Darmflora und metabolisches Syndrom

Ein weiterer spannender Vortrag beschäftigte sich mit der präbiotischen Wirkung der Pilze. Entscheidend für diese sind vor allem komplexe Kohlenhydratstrukturen wie das Chitin und verschiedene Glukane. Präbiotische Substanzen besitzen vielfältigen Nutzen. Sie tragen zu einer verbesserten Knochendichte, einem verringerten Risiko für Diabetes, Darmkrebs und Koronarer Herzerkrankung bei und ernähren unsere guten Darmbakterien.

Wir besitzen zahlenmäßig mehr Bakterien als Körperzellen und die Darmflora ist involviert bei  Entzündungen und der Gewichtsregulation. Darüber hinaus kann sie an depressiven Verstimmungen beteiligt sein. Pilze wirken durch unterschiedliche Mechanismen antidepressiv, zum Beispiel der Maitake über den Dectin-1-Rezeptor und das Reishi-Myzel durch einen Antagonismus des 5HTA2 Rezeptors (Glutamat, GABA, Dopamin etc.). Am bekanntesten bei Depressionen ist hier natürlich der Cordyceps.

Mit dem Gewicht und der Gewichtsabnahme beschäftigte sich auch der Vortrag einer italienischen Kardiologin. Diese setzt begleitend zu einer basischen, pflanzenbasierten Ernährung erfolgreich Pilze gegen das metabolische Syndrom ein. Ganz speziell zum Thema Bluthochdruck berichtete ein Kollege von ihr über seine eindrucksvollen Therapieerfolge mit Auricularia und Polyporus.

Hericium – ein Allrounder

Ein weiteres großes Thema waren die antiallergischen Wirkungen verschiedener Pilze. Hier sind ABM, Hericium und Reishi schon lange bekannt. Es weisen aber noch zahlreiche andere Pilze derartige Wirkungen auf. Weltweit werden immer mehr Arten mit medizinischen Wirkungen gefunden und untersucht, hierunter der Pleurotus ostreatus und der Chaga.

Gerade der Hericium wirkt jedoch nicht nur günstig im Allergiegeschehen. Eine Ärztin stellte eine Studie vor, in der sie Hericium in der Therapie verschiedenster Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt hat. Bei vielen Beschwerden wie etwa Reizdarm und Entzündungen ist der Marker Calprotectin erhöht, der bei den Probanden gesenkt werden konnte. In einem weiteren Vortrag ging es um die günstige Wirkung von Hericium bei Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen bei Frauen. Zusammen mit Cordyceps und Reishi ist Hericium hier ein wunderbarer Begleiter in den Wechseljahren, da er beispielsweise Gewichtszunahmen vorbeugen hilft.

Neu war für uns die Tatsache, dass Hericium schon lange in der traditionellen amerikanischen Medizin extern zur Beschleunigung der Wundheilung eingesetzt wird. Wir vom Institut haben das aber ebenfalls schon mit Hericium-Haut-Creme beobachten können. Gerade in der externen Anwendung sind auch Chaga oder Reishi hochinteressant. Chaga wird beispielsweise traditionell innerlich und äußerlich bei Schuppenflechte eingesetzt.

Innerlich kann die Kombination Auricularia mit Shiitake Wundheilungsstörungen unterstützen, die aufgrund von Diabetes oder venöser Insuffizienz entstanden sind.

Cordyceps

Natürlich war auch der berühmte Cordyceps ein Thema des Kongresses. Gleich vorab: die Frage nach möglichen Wechselwirkungen zwischen Cordyceps und Antidepressiva wurde von einem bekannten Cordycepsforscher ganz klar verneint – es sind keine bekannt. Zu Cordyceps wurde von seinen gut erforschten antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften bei Autoimmunerkrankungen berichtet. Ähnliche Ergebnisse wurden für Maitake, Reishi und auch Shiitake präsentiert.

Die leistungssteigernde Wirkung des Cordyceps wird auf die durch ihn verbesserte Zellenergie und Sauerstoffversorgung zurückgeführt, interessant also besonders bei Mitochondriopathien. Die gleiche Wirkung erzielen auch ABM und Reishi. Dies ist besonders für Sportler sowie Senioren von Bedeutung.

Schmerzstillende Wirkung verschiedener Pilze

Wir wissen, dass mehrere medizinische Pilze entzündungs- und schmerzhemmende Inhaltsstoffe besitzen. Die schmerzstillende Wirkung ist bereits 1 Stunde nach Einnahme des Pilzpulvers feststellbar. Dieser sogenannte antinozizeptive Effekt ist beispielsweise bekannt bei ABM, Chaga, Cordyceps, Coriolus, Hericium und Reishi. Derzeit versucht man hier die genauen Wirkmechanismen – abgesehen von der Entzündungshemmung und der bekannten Antihistaminwirkung – aufzuklären.

Hoffnung bei Demenz und Alzheimer

Weltweit wächst die Zahl der Demenz- und Alzheimer-Betroffenen. Daher ist auch dieses Erkrankungsbild Gegenstand der Forschung. Schon lange kennen wir die positive Wirkung von Hericium-Pilzpulver bei leichter Demenz. Ebenso den Effekt von Auricularia und Shiitake bei Durchblutungsstörungen, die ja oft an einer Demenz beteiligt sind. Speziell an der Demenz vom Alzheimertyp ist – wie bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen auch – ein massiver oxidativer Stress beteiligt.

Pilze enthalten sehr wirksame Antioxidantien zum Beispiel das Ergothionein, Flavonoide und weitere Substanzen. Da bei Alzheimer jedoch auch Neurotransmitter wie Acetylcholin fehlen und Pilze (vor allem deren Phenolsäuren) die Acetylcholinesterase hemmen können, wurde hier ein weiterer Wirkmechanismus aufgeklärt. Hoffnung auf unterstützende Wirkung bei Alzheimer gibt es bei den Pilzen ABM, Auricularia, Coriolus, Hericium, Reishi und Coprinus comatus.

Krebs

Durch Studien belegt ist mittlerweile der medizinische Wert der Pilze in der Krebsprävention und begleitend zu Chemotherapie und Bestrahlung: Die Therapien werden besser vertragen, die Nebenwirkungen gemindert und das Immunsystem unterstützt. Außerdem haben verschiedene Pilzbestandteile auch nachgewiesene Antitumorwirkungen und einen immunmodulierenden Effekt. Hier sind besonders das Myzel und das Sklerotium von Poria cocos oder die Fruchtkörper von Maitake und Shiitake zu nennen.

Das in vielen Pilzen enthaltene Ergosterolperoxid kann eine mögliche Zytostatikaresistenz der Tumorzellen verhindern beziehungsweise die Zellen erneut sensibilisieren. Weiterhin wurde zunächst in vitro nachgewiesen, dass Ergosterol Peroxid – in diesem Fall aus Pleurotus isoliert – auch gegen Trypanosomen und Amöben in Zukunft eine Therapieoption bieten kann. Zusätzlich ist es an der antiarteriosklerotischen und antientzündlichen Wirkung der Pilze beteiligt.

Zunehmend erforscht werden hier auch die Triterpene von denen man mittlerweile über 300 verschiedene kennt. Sie können Tumorzellen hemmen und den Tumorzelltod einleiten helfen. Manche sind nur im Myzel und andere nur im Fruchtkörper oder den Sporen zu finden.

Ausblick

Die vielen wertvollen Erkenntnisse aus diesem Kongress werden wir natürlich in unsere Webinare, Vorträge, Schulungen und die telefonische Beratung einfließen lassen.

Der nächste Kongress wird dann 2019 in Nantong/China stattfinden, damit der heute 87-jährige berühmte Pilzforscher Shu Ting Chang hoffentlich wieder dabei sein kann.

Dr. Dorothee Bös und Franz Schmaus

 

Wichtiger Hinweis

Das MykoTroph Institut rät zu großer Sorgfalt bei der Auswahl. Pilzpulverextrakte sowie Pilzpulver-Produkte aus China sollten gemieden werden. Besonderes bewährt hat sich sogenanntes "Pilzpulver vom ganzen Pilz". Darin sind alle wirksamen Inhaltsstoffe der Vitalpilze enthalten. Pilzpulver sollte immer in Kapseln verwendet werden, da es lose verpackt sehr schnell – und oft nicht sichtbar – schimmeln kann. Einen seriösen Anbieter erkennt man zum Beispiel daran, dass er die Vitalpilze selbst in Deutschland in BIO-Qualität anbaut und nicht nur in Deutschland verkapselt. Weitere Informationen zur Pilzheilkunde gibt es auf www.HeilenmitPilzen.de oder telefonisch unter 06047 - 988530.

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